vilisto

Geschäftsidee: Digitale Wärmemanagement-Lösung

Branche:  Nachhaltige Technologie

Gründungsjahr: 2016

https://www.vilisto.de/

Wärmemanagement mit selbstlernenden Thermostaten und das Sammeln von Daten, die den Betrieb eines Gebäudes optimieren können

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vilisto: Lösung erkennt, wann ein Raum Wärme braucht

vilisto entwickelt eine digitale Wärmemanagement-Lösung, die auf Thermostaten mit integrierter Anwesenheitserkennung, lernenden Algorithmen sowie Raumklima-Sensoren basiert. Die Inspiration zur Gründung kam Christoph Berger 2014 durch ein Auslandssemester an der University of California sowie durch das simple wie effektive Schild „Willst Du gründen? Komm vorbei!“ am Campus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (TU Hamburg) vom damals gerade initiierten Startup Dock (Anm.d.Red.: Startup Dock heißt heute Startup Port @TUHH).

Die Gründer von vilisto (v.l.n.r.): Christian Brase, Christoph Berger und Lasse Stehnken (Foto: vilisto)

Die Geschäftsidee entstand während des Energietechnikstudiums an der Technischen Universität Hamburg (TU Hamburg): Christoph Berger hat im Master eine Projektarbeit geschrieben, wo es darum ging, Vorhersagen von Raumtemperaturen in unbekannten Räumen und Gebäuden zu treffen. Hierbei hat er mit Algorithmen gearbeitet, die Außentemperatur und Sonneneinstrahlung berücksichtigen. „Ich habe mich schon früh in Richtung Energietechnikstudium orientiert. An der TU Hamburg haben wir beim Thermodynamikinstitut einen Klimacontainer. Herausforderung dort ist, diesen möglichst energieeffizient zu klimatisieren“, berichtet der Gründer.

Zwischendurch studierte er ein Auslandssemester an der University of California, Berkeley (USA): „Zu jener Zeit erwarb Google gerade den Thermostat- und Rauchmelderhersteller Nest für 3,2 Milliarden Dollar. Oh, dachte ich, an solch einem Thema arbeite ich ja: Es gibt also einen Markt dafür! Nest war jedoch sehr auf den US-Markt spezialisiert. Hier bei uns gibt es im Vergleich weniger Klimaanlagen, allerdings haben wir Heizkörper…“, stellte Christoph fest. Im Jahr 2014 kehrte der Student an die TU Hamburg zurück. Auf dem Campus stieß er auf ein Schild: „Willst Du gründen? Komm vorbei!“ warb dort das gerade entstandene Startup Dock (Anm.d.Red.: Startup Dock heißt heute Startup Port @TUHH). Für ihn ein Zeichen.

Von der wissenschaftlichen Arbeit zur „Most Innovative Business Idea“

„Ich hatte damals zwei Gründungsideen im Kopf: Eine davon hatte mit Drohnen zu tun, die andere mit meiner Projektarbeit. Nach Sondierungsgesprächen tendierte ich schnell zur Weiterentwicklung der Projektarbeit. Ich glaube, es war gut, dass ich keine Vorstellung hatte, was da an Einsatz auf mich zukommen würde. Eventuell hätte ich sonst gar nicht erst damit angefangen. Der Impuls kam durch mein Studium in Berkeley, da hatte nahezu jeder etwas mit Gründungen zu tun. Im Gegensatz zu Deutschland, wo ich diesbezüglich kaum jemanden kannte“, so Christoph. Das sollte sich bald ändern. Aus dem Konzept der wissenschaftlichen Arbeit entstand eine Produktidee, die hinsichtlich der Geschäftsidee von Beratern des Startup Dock auf Herz und Nieren geprüft wurde. Der vilisto zugeteilte Berater des Startup Dock ermöglichte Christoph Ende 2014 am Hackathon von E.ON teilzunehmen. Dessen Hauptgeschäftsführer Dr. Johannes Teyssen verlieh Christoph und seinem Team nach zweieinhalb Tagen die „Most Innovative Business Idea“. „Wenn die das auch gut finden, könnte das ja was sein“, sah sich der inzwischen Absolvent bestätigt. Also suchte er sich ein Gründungsteam zusammen, um einen EXIST-Förderantrag anzugehen.

Das Team

Seinen heutigen technischen Direktor Lasse Stehnken kannte Christoph schon drei Jahre über einen Kommilitonen. Der gebürtige Kieler war damals in München beschäftigt und wollte wieder gen Heimat. Hamburg war ihm nah genug, das Thema gefiel ihm und sympathisch war man sich sowieso: Das passte!

Malte Lennart Marwede war kurzzeitig der dritte Gründer im Bunde: „Malte haben wir damals am Institut für Produktentwicklung kennengelernt. Er hat das klassische McKinsey-Programm absolviert und uns anfangs noch bei EXIST geholfen – ist dann jedoch nach einem halben Jahr aus persönlichen Gründen wieder ausgestiegen“, berichtet Christoph. Auf der Suche nach Ersatz erhielt er etwa 50 Bewerbungen und entschied sich für Christian Brase, der eine ideale Ergänzung im Vertrieb und Business Development darstellte. Heute hat das Startup 33 Angestellte, davon 21 in Vollzeit beschäftigt.

Anfangs beschäftigte vilisto Werkstudenten zur Ergänzung. Im Oktober 2017 stellte Christoph dann die ersten Vollzeitbeschäftigten ein: Dr. Michael Heuer kannte er beispielsweise aus dem Studium. Gemeinsam haben sie erste Simulationsmodelle gechallenged. Michael hat ursprünglich bei einem weiteren Startup mitgegründet, Christoph konnte ihn jedoch nach einiger Zeit für vilisto gewinnen: „Die ersten Einstellungen müssen gut passen. Deswegen ist es besser, wenn diese aus dem Umfeld kommen, damit sie besser eingeschätzt werden können“, betont der Gründer. Als nächste Möglichkeit sieht Christoph Netzwerke von Gründungsinteressierten. Man benötige bestimmte Talente und eine gewisse Risikoaffinität. In der fortgeschrittenen Gründungsphase könne man dann durch vernünftiges Sourcing auch Talente einstellen, die man vorher nicht kannte.

Das Produkt

Nach der Entwicklung eines minimalen Produktes (MVP) erhielt vilisto das erste Investment und konnte ein Serienprodukt entwickeln. Das Startup vertreibt sein Produkt ausschließlich an Betreiber und Nutzer von Nichtwohngebäuden im B2B und B2G Markt: Also an Unternehmen, die öffentliche Verwaltung und an Bildungseinrichtungen. Die Nutzer bzw. Angestellten jener Gebäude tragen die Energiekosten oft nicht selbst. Das wirkt sich negativ auf die Motivation aus, Energie zu sparen.„Die Thermostate machen selbstständig den Heizkörper aus, wenn es warm genug im Raum ist. Wir gehen noch einen Schritt weiter und schalten den Heizkörper zusätzlich herunter, wenn niemand im Raum ist. Denn warum sollte dein Büro nachts und am Wochenende beheizt werden, wenn niemand da ist? Wir haben dazu verschiedene Sensoren in das Thermostat verbaut, um zu erkennen und zu lernen, wann der Raum genutzt wird“, erklärt Christoph. Wer es gerne kuschelig warm mag, kann die Temperatur noch selbst am Thermostat einstellen. Lediglich wenn die Räume nicht mehr genutzt werden, senkt vilisto automatisch die Temperatur und spart dabei nach eigenen Angaben bis zu 32 Prozent Heizkosten und CO2-Emissionen.

An dem Grundkonzept der Technologie und dem Thermostat habe sich seit 2016 nichts Fundamentales geändert. Natürlich verfeinere man diese permanent, so der Gründer. Der Markt werde sich in Zukunft noch sehr entwickeln und da wolle man selbstverständlich dabei sein. Da geht es um Wärmemanagement mit selbstlernenden Thermostaten und das Sammeln von Daten, die den Betrieb eines Gebäudes optimieren können. Die Belegschaft kümmert sich überwiegend um den Vertrieb, das Marketing, das operative Geschäft sowie die Technologieentwicklung. Die Gründer kümmern sich um die Geschäftsentwicklung und sind auch weiterhin noch bei allen Themen der Teams dabei. Früher war mehr Handarbeit: „Ursprünglich haben wir die Teile bekommen und mussten diese selbst entsprechend montieren. Die ersten 150 Prototypen sind so entstanden. Seit der ersten Serie nutzen wir unsere Auftragsfertiger nicht nur für die Produktion, sondern auch für die Montage der Geräte, erst in Tostedt, seit Anfang 2020 in Glinde.“, berichtet Christoph.

Die Kunden

Die anvisierten Kunden haben ein großes Immobilienportfolio: Es sind Länder, Kommunen, DAX-Unternehmen und KMUs. „Wir können bereits diverse Kunden von Kiel bis in die Schweiz und von Köln bis Berlin als Teil unserer Klima-Mission zählen“, berichtete Christoph im Interview mit Deutsche Startups. vilisto plant den Kundenstamm weiter auszubauen. Neben Auszeichnungen wie dem Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt, oder dem Perpetuum Energieeffizienzpreis wurden zudem die Vertriebspartnerschaften ausgebaut.

Die Vision

„Das gesamte Team bei vilisto arbeitet daran möglichst viel Impact und hohe Energie- und CO2-Einsparungen zu ermöglichen. Uns treibt die Vision eines CO2-neutralen Gebäudebestands an, um unseren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Hier steckt ein enormes Potenzial. Der Aufbau eines solchen Unternehmens kann sehr intensiv sein. Zudem macht es in unterschiedlichen Phasen des Unternehmens Sinn, weitgreifende Partnerschaften einzugehen. Dazu kann auch eine Fusion oder ein Kauf von vilisto für das weitere internationale Wachstum zählen, wenn dies der übergeordneten Vision dient und unsere Werte dabei gewahrt werden“, schließt Christoph.

https://www.vilisto.de/